Storytelling: So nutzt du die Macht guter Geschichten

 

Ich gebe es zu, ich habe bei einem Film schon mal geweint. Du auch? Wenigstens sind wir ehrlich zueinander. Ja, ist denn dir bewusst, dass das möglicherweise eine fiktive Handlung war und ganz sicher Schauspieler waren? Und wir weinen trotzdem?

Das ist die Macht von Geschichten. Storytelling ist gerade in aller Munde. Man kann es in Präsentationen und in Gesprächen und überall einsetzen. Und was das ist? Welche Merkmale eine gute Story hat und was du tun kannst, um Storytelling ganz bewusst einzusetzen und was ist bei dem gegenüber, bei dem Zuhörer auslöst?

Wenn meine Mutter wollte, dass wir Jungs wieder ruhig sind, dann musst sie einfach nur sagen: Kommt her, ich erzähle euch eine Geschichte. Und wer will schon eine wirklich gute Geschichte verpassen? Und das gilt im Businessalltag genauso. Denn gute Geschichten ziehen uns in ihren Bann.

Was gibt es für Geschichten? Es gibt die persönlich erlebten Geschichten, es gibt Geschichten, die vielleicht im Unternehmen kursieren, also das was der Chef, was der Kollege oder wer auch immer erzählt hat. Oder der Kunde. Und es gibt auch Geschichten von anderen Menschen, von Persönlichkeiten aus dem Tagesgeschehen, aus der Geschichte, aus Märchen und so weiter.

Es gibt verschiedene Geschichten. Die Frage ist immer, was willst du mit dieser Geschichte erreichen? Was ist deine Botschaft? Und dementsprechend baust du deine Geschichte da drum herum auf.

Und weil das Wort Storytelling gerade so inflationär verwendet wird, lasst uns mal ganz kurz besprechen, was macht eigentlich eine Geschichte aus?

Merkmale einer guten Geschichte

 

  •  Zeitlicher Indikator. Zunächst mal sollte es irgendwie klar sein, wann diese Geschichte spielt. Also, es muss ein zeitlicher Indikator geben, wie zum Beispiel: Als ich letzte Woche beim Kunde war oder letztes Jahr also die Geschäftszahlen präsentiert habe. Dann weißt du ganz ungefähr, wann das war.

 

  • Ort. Und damit eng verbunden, es sollte auch einen Ort geben. Und dieser Ort ist eben bei der Quartalpräsentation, vielleicht in einem Hotel gewesen oder im Unternehmen selbst. Bei Kunde, beim Kunden vor Ort. Ja, es soll nicht in einem luftleerem Raum, sondern möglichst konkret irgendwo sein.

 

  • Handelnde Personen. Es sind in einer Geschichte in den allermeisten Fällen eben auch handelnden Personen. Bei den Fabeln sogar Tiere, aber es sind in den allermeisten Fällen Personen. Wie z.B. auch der wichtige Held.

Und der Held in einer Geschichte, das sollte ein Held sein, mit dem man sich wirklich auch verbinden möchte. Es muss also auch Personen geben in dieser Geschichte, die handeln.

 

  • Ziel. Es muss ein klares Ziel geben, was es zu erreichen gibt. Vielleicht ist es in deinem Geschäft, in deinem geschäftlichen Alltag ein Lieferengpass. Vielleicht ist es, dass der Kunde droht, den Auftrag zu studieren.

Es muss ein Ziel geben, nämlich Kunde zurückgewinnen oder Produkt rechtzeitig ausliefern.Und das muss möglichst von Anfang an klar sein.

 

  • Konflikt. Und ist allerletzte und wichtigste bei einer Geschichte, das ist der Konflikt.
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Keine Geschichte ohne Konflikt.

 

Kleines Beispiel gefällig: Es war einmal ein wunderschöner Prinz, der ritt auf seinem schönen Schlachtross durch ein Tal hindurch, in dem es keine Drachen, keinen bösen Rittern und auch keinen Schuppen gab. Und er gelang zu einem Märchenschloss, in diesem wunderbaren Schloss gibt ein gerechter König, den aller Welt geschätzt hat.

Und dieser Prinz ging zu diesem König hin und sagte: Ich würde gerne deine Tochter heiraten und er König sagte: Ich könnte mir keinen besseren Schwiegersohn als dich vorstellen. Und so heiratete Prinz die schöne Tochter des Königs. Sie wurden glücklich. Und sie hatten viele Kinder.

Diese Geschichte ist langweilig. Wir wollen einen Konflikt. Sonst können wir uns mit diesen Prinzen überhaupt nicht verbinden. Wir brauchen einen Konflikt und der Held soll auffälligsten ein bisschen kämpfen, damit er sich diese Prinzessin verdient oder nicht.

Also, das sind die Zutaten einer guten Story.

 

Gute Geschichten funktionieren ein bisschen wie Landkarten.

 

Man hat eine Orientierung in dieser Geschichte, was man tun soll. Der Weg zum Erfolg.

Also vielleicht, ganz früher, haben sich die ersten Menschen die Geschichten erzählt: Hör mal zu. Ich habe neulich mit meinem Kumpel durch ein Tal durchgelaufen und da waren dort solche riesen Katzen. Die sahen total süß aus. Mein Kumpel wollte die streicheln. Die hatten aber so lange Zähne und dann hat ein Säbelzahntiger meinen Kumpel aufgefressen.

Das ist jetzt so eine Geschichte, bei der man weiß: Okay, bitte keine Säbelzahntiger streicheln. Die mögen das nicht. Lieber abhauen.

Im modernen Alltag würde ich zum Beispiel die Geschichte erzählen: Hey, bitte investiere nicht dein ganzes Geld in eine Aktie, weil wenn die futsch geht, dann hast du Problem. Ja, ist mir passiert. Sollte man nicht machen. Diese Lernerfahrung im Sinne einer Landkarte.

Wenn du Erfolg haben willst, bitte streue dein finanzielles Risiko auf mehrere Papiere. Das ist so eine moderne Geschichte, die man an der Stelle erzählen könnte. Was immer es ist, es funktioniert ein bisschen wie eine Landkarte oder auch wie ein moralischer Kompass.

Nehmen wir z.B. die bekannte Geschichte vom Rotkäppchen. Da ist die Botschaft: die Mutter hat gesagt: Bleib auf dem Weg. Rotkäppchen hält sich nicht daran und wird gefressen zur Strafe. Die Handlungsanweisung ist: Bitte, hör auf deine Mutter und bleib auf dem Weg.

Wenn jetzt außerdem noch ich sagen wollte, die Geschichte hat noch die Botschaft: Räum dein Zimmer auf und mach deine Hausaufgaben, dann würde man sagen: Okay, das ist jetzt vielleicht ein bisschen zu weit weg. Das kann ich nicht mehr mitgehen, aber das: Hör auf deine Mutter, geh auf direktem Weg nach Hause, ist die Rotkäppchen-Geschichte perfekt dafür geeignet.

 

Die erfolgreiche Struktur von Geschichten

 

Die Geschichten, die haben normalerweise so mehrere Akte. Es gibt so die 3 Akte, 5 Akte, 7 Akte, 12 Akte, 17 Akte… Irgendwann wird es ein bisschen crazy, aber sie haben normalerweise verschiedene Akte.

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Und die könnte man so ganz grob mal grafisch erfassen. Also, der Beginn, dann wird das Ganze ein bisschen spannender und dann irgendwie normalisiert sich das, bis es dann mal so richtig richtig zum Konflikt kommt, zum Höhepunkt und irgendwann löst sich das dann auch wieder auf und dann läuft’s wieder aus.

So, mal ganz grob, das ist die Struktur von Geschichten. Und um das mal bewusst zu machen, eine Geschichte, die jeder kennt: Rotkäppchen. Ich habe es vor drei, vier Tagen erst meinem Sohn vorgelesen, deswegen habe ich es so präsent.

Ganz am Anfang wird die Geschichte vorgestellt, das heißt, wo sind wir. Wir sind im Wald, weil die Großmutter, die ist irgendwie im Wald. Dann wissen wir: Okay, es gibt die Mutter, es gibt Rotkäppchen und es gibt die Großmutter. Der böse Wolf wird auch schon mal vorgestellt und angedeutet, dass es den geben könnte.

Außerdem wird auch das Ziel mal klargemacht. Das Ziel ist nämlich, die Großmutter soll Wein und Kuchen bekommen, damit sie wieder bessergeht. Ist es nicht toll, damals hat nur Wein und Kuchen bekommen, anstatt ekel schmeckenden Hustensaft und Zäpfchen? Und dann wird das Ganze ein bisschen spannender.

Und nämlich Rotkäppchen geht in den Wald und trifft da jetzt den bösen Wolf. Ja, es ist schon ein bisschen gefährlich oder dann kommt sie vom Weg ab und dann, dann wird es dann ein bisschen lascher, wenn er die nur einfach rumflog und der Wolf schon mal hier so zu Großmutter geht, bekommen wir gar nicht mit.

Wir bekommen dann aber mit, wenn Rotkäppchen da reinkommt, in das Haus der Großmutter und da legt jetzt irgendjemand und Großmutter, warum hast du denn so große Augen usw. Und bis dann der Satz kommt Warum hast du so einen großen Mund? Damit ich dich besser fressen kann.

Da wird es dann richtig gefährlich, weil dann kommt zur Katastrophe. Der Wolf frisst das arme, arme Rotkäppchen und dann wird es dann in dem Moment, wo der Wolf dann so schnarcht und der Jäger kommt, geht dann die Geschichte wieder zurück, was die Spannung angeht, und der Jäger schneidet den Wolf den Bauch auf. Zurück heraus kommen dann gesund zum Glück die Großmutter und das Rotkäppchen und so sitzen sie dann alle wieder gesund und happy und wir können alle aufatmen, dass die Geschichte gut ausgeht. Also, ganz ganz grob wie diese Geschichte verläuft.

 

Wie es die Hormone in unserem Körper mitmachen

 

Es gibt verschiedene Hormone, die du in deinem Storytelling ganz bewusst bei deinem gegenüber auslösen kannst. Eins davon ist das Cortisol. Das ist ein Stresshormon. Und dieses Stresshormon, das kommt ganz besonders zum Tragen, wenn diese Geschichte spannend wird. Ja, da werden alle Flucht- und Kampfinstinkte geweckt, also man würde jetzt am liebsten diesen Wolf angreifen und das arme Rotkäppchen verteidigen.

Und was das tolle an dem Cortisol ist, man ist absolut fokussiert. Also, durch die Hormonausschüttung des Cortisols ist man aufmerksam, lauscht deiner Geschichte und kann sie sich nachher auch besser merken. Das ist die tolle Wirkung von Cortisol.

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Das zweite Hormon, was da ausgeschüttet wird ist das Oxytocin. Oxytocin ist auch bekannt als das Kuschelhormon und es sorgt für Bindung. Also, ganz am Anfang werden die Figuren vorgestellt und dann verbindet man schon mit diesem armen schwachen Rotkäppchen. Man mag plötzlich dieses Rotkäppchen und leidet also mit diesem Rotkäppchen mit, in dem Moment, wo dann der Wolf kommt, hat man Angst um das arme Rotkäppchen und Forscher haben gemessen, dass der Oxytocin Ausstoß hier oben am höchsten ist.

Also, wir sind maximal verbunden mit einem Helden in einer Geschichte, wenn dem was Schreckliches hier bei der Katastrophe zustößt, weswegen wir wirklich wollen, dass diese Geschichte gut ausgeht. Und wenn die Geschichte gut ausgeht, also: Puhh, ging grad noch mal gut. Sie haben es überlebt.

Dann stößt der Körper Dopamin aus. Das ist also das Belohnungshormon. Man hat also ein Happy End und: Hahhh, zum Glück ist es so und man fühlt sich also gut, wenn diese Geschichte gut ausgeht. Und diese Wirkmacht von Geschichten, die kannst du dir noch zunutze machen, indem du eben auch Handlungen einführst, die eine gewisse Spannung drin haben, wo der Ausgang mal ungewiss ist, in der Menschen agieren, die man mag, mit denen man sich verbinden kann.

Und wenn du, zum Beispiel, einem Kunden eine Erfolgsgeschichte von einem anderen Kunden erzählst, dann nimmst du natürlich irgendeinen Kunden, der deinem gegenüber an diese Person erinnert und nicht irgendjemand ganz anderes, dass man sich verbinden kann, dass eben auch dieses Oxytocin ausgeschüttet wird, dass man diese Person irgendwie mag und mit ihr mitleidet und dann am Ende total happy ist, dass jetzt dein Produkt, deine Lösung, das, was du anbietest, diesem Menschen helfen kann.

Und meine Aufgabe als Trainer ist es eben mit meinen Trainingsteilnehmern Geschichten zu finden und dann diese Geschichten so zu modellieren, dass maximale Spannung erzeugt wird, dass die Botschaften wirklich rüberkommen und hängen bleiben dank dem Cortisol.

 

Wirklich hängen bleiben. Und durch das Oxytocin wirklich dafür gesorgt wird, dass man sich mit dem gegenüber verbindet.

Und wenn dir dieses Video gefallen hat, dann kannst du gerne diesen Kanal abonnieren. Du kannst mich natürlich auch als Trainer buchen, würde mich sehr freuen, an deiner Geschichte zu arbeiten, denn Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen, Erwachsenen erzählt man Geschichten, dass sie aufmerken. In dem Sinne wünsche ich dir viel Spaß bei deinen Geschichten.

 

 

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