Die Kunst des Weglassens bei Präsentationen

Wer ein gutes Produkt hat, der ist davon begeistert. Klar. Zu guten Produkten kann man viel sagen, zahlreiche Vorteile nennen und im Idealfall sogar von Success Stories berichten.

Und das ist auch gut so. Denn selbst das beste Marketing kann langfristig nicht über ein schlechtes Produkt hinwegtäuschen.

Wenn es jedoch um Präsentationen geht, dann ist weniger meist mehr.
Hier sind einige Gründe, warum Sie die Kunst des Weglassens bei Ihren Vorträgen und Präsentationen praktizieren sollten:

1. Informationsüberfluss

Werbebotschaften, das Internet, Soziale Netzwerke, die Medien, private und berufliche Mails … wir ertrinken geradezu in einer Informationsflut und einem Meer an Möglichkeiten Dinge zu erfahren.

Wer ist da nicht dankbar, wenn sich jemand (z.B. im Rahmen einer Präsentation) auf Kernbotschaften und die Quintessenz beschränkt. Wenn die Informationen so verteilt sind, dass man sie auch gerne aufnimmt. Und aufnehmen kann – auch wenn die Präsentation nach Mittagessen oder Feierabend stattfindet.

2. Ist die Präsentationsfolie komplex, ist auch das Produkt komplex

Das ist gemein: was hat die Folie mit dem Produkt zu tun? Aber es ist dennoch so! Wenn jemand während Ihrer Präsentation zum ersten Mal von Ihrem Produkt erfährt, dann ist alles, was er von Ihrem Produkt weiß: Ihre Präsentation. Man bewertet anhand von sekundären Kriterien:

  • sind die Folien visuell attraktiv oder
  • überfrachtet mit Informationen
  • sind sie verständlich oder überfordernd

Ist letzteres der Fall, dann ist die Gefahr groß, dass Ihr Zuhörer innerlich abschaltet und ein Verkaufserfolg unwahrscheinlich wird. Produktpräsentationen sind dann effektiv, wenn der Zuhörer Ihrer Präsentation folgt, weil sie interessant und verständlich ist.

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3. Könnte sich Ihr Publikum nur an eine Aussage in der Präsentation erinnern, wüssten Sie welche das sein soll?

Selbst professionellen Rednern gelingt es nicht 100% Ihrer Inhalte bei 100% der Zuhörer dauerhaft zu verankern. Und wenn Sie sich an Präsentationen erinnern, bei denen Sie anwesend waren (oder sein mussten), wie viel und was konnten Sie sich hinterher erinnern?
Hängen bleiben meist:

  • originelle Geschichten
  • emotionale Momente
  • für Sie wirklich relevante Informationen und Botschaften
  • und das Gefühl, dass es gut oder schlecht war, dass Sie wertvolle Augenblicke Ihrer Lebenszeit mit dieser Präsentation verbracht haben

Auch Ihre Zuhörer werden Ihre Präsentationen so bewerten. Die entscheidende Frage ist also: was sollen Ihre Zuhörer aus Ihrer Präsentation mitnehmen? Und müssten Sie sich für eine Botschaft entscheiden, welche würde Sie wählen? Und wie würden Sie dafür sorgen, dass auch genau diese hängen bleibt?
Denn wir alle sind äußerst wählerisch, was wir in unser Langzeitgedächtnis lassen.

4. Lassen Sie die Macht des Informationsdefizits für sich arbeiten

Alle Film-Trailer arbeiten damit („Ab dem XX.YY im Kino). Kaum eine Show verzichtet darauf („Das erfahren Sie nach der Werbung“). Der Mensch ist neugierig. Und wenn man ihm eine Information vorenthält, dann will er diese Informationslücke schließen.
Machen Sie sich diesen Effekt auch in Präsentationen zunutze. Sprechen Sie gewisse Dinge nur oberflächlich an. Machen Sie mit Versprechen oder Aussagen neugierig ohne sie ins Detail zu erklären oder zu belegen. Und beantworten Sie hinterher im persönlichen Gespräch gerne die Detailfragen.

Es ist eine Kunst: das Unwichtige vom Wichtigen zu unterscheiden.

Der Künstler und Bildhauer Michelangelo wurde einmal gefragt, wie es ihm gelingt, diese Meisterwerke zu erschaffen. Seine Antwort:

„Wenn ich einen Marmorblock betrachte, sehe ich die Skulptur darin. Ich muss nur noch das wegschlagen, was nicht dazugehört.“

Genauso machen wir es auch bei Präsentationen.

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Herzlichen Dank an Alon für das Foto „Zen rock on beach sand“. (Attribution 2.0 Generic)

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